Das Team der Immungenetics AG erforscht und entwickelt „genetische Assoziationen“, das heißt das gemeinsame Auftreten bestimmter Genvariationen, sogenannte „Single Nucleotide Polymorphisms“ oder SNP‘s mit einer Erkrankung. Diese Veränderungen einzelner Basenpaare in einem Desoxyribonukleinsäure-Strang (auch: „DNA“ genannt) sind genetische Sequenzvariationen von an sich gesunden bzw. normalen DNA-Strängen, die in der Regel nicht für den Ausbruch der Krankheit verantwortlich sind, aber in Kombination mit einer diagnostizierten Erkrankung eine Verlaufs- oder Therapieprognose sowie im Einzelfall auch eine Therapie zulassen.
Besonderes Augenmerk unserer Forschungsarbeit liegt auf dem Gebiet der Autoimmunerkrankungen. Bei diesen Erkrankungen kommt es aus noch nicht geklärter Ursache zu einer überschießenden Reaktion des Immunsystems gegen körpereigenes Gewebe. Bei einem gesunden Menschen werden alle Körperzellen durch bestimmte Proteine nach dem sogenannten HLA-System gekennzeichnet. Anhand dieser Kennzeichnung können die T-Lymphozyten, das heißt, weiße Blutkörperchen erkennen, welche Körperzellen eigene und welche körperfremd sind. Körperfremde Zellen werden somit identifiziert und von den T-Lymphozyten bekämpft. Wenn eine Autoimmunerkrankung vorliegt, erkennt das Immunsystem körpereigene Zellen irrtümlich als zu bekämpfende Fremdkörper. Dadurch kommt es zu schweren Entzündungsreaktionen, die zu Schäden an den betroffenen Organen führen.
Um die genetischen Ursachen von Autoimmunerkrankungen zu erforschen und Klarheit über den Ablauf der Immunantwort zu bekommen, wurden Tiermodelle zum Beispiel für die Multiple Sklerose (die sogenannte Experimentelle Autoimmun-Enzephalomyelitis, EAE) und für die Rheumatische Arthrose (die sogenannte Collagen induzierte Arthritis, CIA) entwickelt. An diesen Tiermodellen lassen sich nicht nur die verschiedenen Krankheitsverläufe und der Ablauf der Immunantwort erforschen sondern auch mögliche Therapieansätze (inkl. neue Wirkstoffe sowie Zweitindikationen für zugelassene Medikamente) untersuchen. Außerdem können unterschiedliche Genvariationen der Tiere in eine statistische Relation mit den Ergebnissen aus der Verlaufsbeobachtung sowie den Therapien gesetzt werden, die dann später im Rahmen von humanen Kohortenstudien verifiziert werden können.
In den vergangenen Jahren konnten unter der Leitung von Prof. Dr. Ibrahim mit Hilfe der Tiermodelle und unterschiedlicher Screeningmethoden wie Kopplungs- und Genexpressions-Analysen Genorte, die mit dem Auftreten von Multipler Sklerose bzw. Rheumatischer Arthritis assoziiert sind, ermittelt sowie sogenannte Suszeptibilitätsgene identifiziert werden. Gefundene Sequenzvariationen in diesen Genen können nun als genetische Marker verwendet werden, so dass Aussagen über den Verlauf und die Therapiemöglichkeit bei diesen Erkrankungen möglich werden.